Morgenroutinen sind in aller Munde

Und das zu Recht. Sie sind DER Kickstart in den (bewussten) Tag. Umsonst und glücklich machend! Zumindest 30 Minuten täglich, einen Monat lang, das sollte doch zu schaffen sein. Die Lehre dahinter: Wir sind keine getriebenen, die nur Ihre To-Do Listen und Social Media Accounts meistern, sondern wir sind kreative Gestalter, die sich Ihr Leben selber einrichten. Nur so können wir für uns und andere von maximalem Nutzen sind. Für die meisten von euch (hallo Berlin) zum Glück ein wohlbekanntes Konzept.

Also, was tun am Morgen um in die richtige Energie zu kommen? Und was heißt eigentlich Energie? Nun ja, für mich heißt es auf welcher Frequenz ich mich durch den Tag bewege. Wenn ich mies drauf bin, ist mein Erleben entsprechend unterirdisch. Nehme ich jedoch die extra (Gedanken-) Arbeit auf mich und erhebe mein Erleben, dann kann ich besser mit meiner Umwelt interagieren. Ich bin klarer und offnener. Das heißt um himmelswillen nicht, dass ich negative Erfahrungen oder Erlebnisse runterspiele oder ignoriere. Völliger Bullshit und absolut kontraproduktiv. Bewusstes und neutrales Hinsehen ist hier gefragt. Was macht die Morgenroutine im Grundsatz also aus?

Sie ist selbst gewählt.
Sie wird gezielt gestaltet.
Sie wird täglich umgesetzt.
Sie bringt positive Effekte mit.
Sie ist auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt
Sie wird langfristig beibehalten.

Somit ist sie ein mächtiges Instrument, um den Alltag in den Griff zu bekommen. Dabei bin ich- wie wir alle – kein Fan von Dogmatismus! In erster Linie dient meine Routine mir den optimalen Start in den Tag zu servieren, in mich reinzuhorchen, meinen Körper und Geist zu reinigen und beiden Gutes zu tun. Es ist diese magische Zeit in der die Welt noch halb schläft und ich mich in voller Konzentration eigenen Projekten widmen kann. Einfach herrlich. Wichtig: Jede Morgenroutine ist individuell. Manche stehen um 4 Uhr für bestimmte Yogarituale auf, andere schlafen erstmal aus, trinken Kaffee und lesen so lange sie wollen. Es muss sich gut anfühlen und idealerweise Körper und Geist erheben. Von 10 Minuten bis 3 Stunden ist alles möglich.

Während meiner Recherche zur Morgenroutine bin ich unter anderem auf das Buch Daily Rituals von Mason Curry gestoßen, welches die Rituale von hunderten von weltberühmten Personen wie Einstein, Hemingway, Goethe, Austen, Warhol und Picasso beschreibt (perfekt für einen kurzen Inspirationsschub zwischendurch). Zudem habe ich die Morgenrituale vieler meiner Vorbilder wie Tim Ferriss, Dave Asprey, Roger Federer, Kobe Bryant und Tony Robbins recherchiert und meine engsten Freunde zu ihren befragt. Aus all diesen Informationen stechen 3 Gewohnheiten heraus, die zum einen für mich funktionieren und von denen jede für sich allein bereits einen großen Unterschied für eine erfolgreiche Morgenroutine macht. Es gibt einige Tipps, die du bereits am Abend zuvor erledigen kannst.

1_Abschalten ab 21 Uhr. Handy zur Seite, W-Lan, Fernseher AUS. Warum nicht kreativ werden, schreiben, lesen, den nächsten Tag planen?

2_Räume deine Schlafumgebung auf. Unordnung lässt den Geist schwerer zur Ruhe kommen und dich schlechter schlafen.

3_Minimiere Entscheidungen. Um Entscheidungen zu fällen benötigt unser Geist Unmengen an Energieverschiedenen Optionen abzuwägen und die beste Entscheidung zu treffen. Lege dir schon alles für den nächsten Morgen zurecht.

Und wie sieht‘s dann am nächsten Morgen bei mir aus?

♥ Kein Wecker | Mein Unterbewusstsein ist scheinbar darauf programmiert mich gegen 6:30 | 7 Uhr aufzuwecken
♥ Kein Handy | Laptop bis 8:30
♥ Liegenbleiben | Nach dem Aufwachen, bleibe ich noch einen Moment liegen und spüre in mich hinein. Welche Emotion ist gerade vorherrschend?
♥ Waschen | Danach ein kurzes Waschritual nach ayurvedischen Prinzipien (Zähne putzen, Öl ziehen, warmes Zitronenwasser trinken, kalt-warm duschen…)
♥ Pranayama | Zurück im Bett. Dehnen, strecken und mindestens 3 Minuten
Pranayama (Atemübungen)
♥ Meditation | (mindestens 10 Minuten, gerne auch viel länger)
♥ Kaffee | Anschließend wird der beste Kaffee oder Tee im Bett getrunken (bester, weil im Bett)
♥ Schreiben | Ich beginne mit freiem schreiben, danach geführter – zum Beispiel: was will ich heute machen, wie sieht mein perfekter Tag aus? Meine Werte, kurze To-Do Liste. (max 15 min)
♥ Lesen | Mindestens 10 Minuten neuer Input
♥ Ernährung | Nebenbei nehme ich morgens noch ein paar sinnvolle Vitamine und Mineralstoffe zu mir (auf Basis von einem Bluttest), da ich sie sonst vergessen würde und natürlich viiiiieeeel trinken
♥ Danke |Abschließend bedanke ich mich für all das Gute in meinem Leben und für die tollen Menschen, die mich umgeben
♥ fasting | Gegessen wird erst ab Mittags, ja ich mache „intermediate fasting“. Morgens bin ich einfach am produktivsten und schweres Essen zieht an meiner Energie. Auch hier – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Puh, das alles am Morgen? Im Ernst? Nein, ich passe diese Rituale natürlich meinem Tag an. Wenn ich wichtige und frühe Termine habe, muss es auf 10-15 min. begrenzt werden, aber ich lasse sie nicht ausfallen um auch meiner Umwelt einen Gefallen zu tun. WICHTIG!! Jeder dieser Punkte ist alles andere als gesetzt und variiert in der Länge. Manchmal kommt am Morgen noch Yoga oder Joggen hinzu, wenn ich es am Abend nicht schaffe oder ich Meditiere für 1 Stunde. Auch hier: Alles KANN nichts MUSS.

Andere tolle Inspirationen von Freunden sind zum Beispiel:

„Wenn ich nicht den Luxus genießen kann allein von der Sonne geweckt zu werden, klingelt mein Wecker. Der Wecker ist ein Lichtwecker, welcher mich langsam weckt. Das Handy liegt außerhalb des Schlafzimmers, im Allgemeinen gibt es bei mir kein Fernseher oder andere Gerätschaften, welche meinen Schlaf stören können.“

„In den 20 Minuten der Bahnfahrt vom Wannsee Richtung Friedrichstraße lese ich 4-5 Seiten, manchmal mehr, manchmal weniger.“

„Ich stehe um 6:45 auf und lasse meinen Laptop bis 8:15 zu. Ich bereite mir meinen Cappuccino oder Tee aus Koriander-, Fenchel- und Kreuzkümmelsamen zu, den ich dann auf meiner Sonnenterrase zusammen mit Fachlitertur langsam trinke. Kurzum: 1,5h Metime um mich einzustimmen.“

„Ich liebe es hier auf meine Herz zu hören, denn das entspricht meiner Natur. Zum Beispiel: Nach der Meditation übe ich mich immer in Dankbarkeitsgebeten, ziehe meine Engelskarte für den Tag und wenn ich Lust und Laune habe, schreibe ich auch noch ein wenig. Alles darf nichts muss.“

„Mich bringt Frühsport in Schwung. Eine Runde mit Hund laufen ist die beste Kur und lässt mich wieder klar denken und weckt mich besser auf als jeder Kaffee.“

„Für mich gibt es kein Frühstück, nur Wasser und schwarzen Filterkaffee. Ich esse übrigens auch tagsüber nichts, nicht mal Snacks, sondern erst abends richtig. Was Kleidung angeht, habe ich mir inzwischen eine Uniform zugelegt: dunkelblauer Anzug, weißes Hemd.“

„Ich wecke meine vierjährige Tochter und kuschle mit ihr – für mich der perfekte Start in den Tag. Dann gibt es erst ein schnelles Frühstück, meist Müsli plus Siebträger-Cappuccino und Wasser. Gut gestärkt, kommt dann mein Frühsport. Nicht am Heimtrainer oder im Fitness-Studio, sondern auf dem Fahrrad.“

„Meine Frau macht mir immer die leckersten Sandwiches zum Frühstück. Die sind für mich der beste Start in den Tag – und das jeden Morgen (I love you!).“

Dieser Ablauf verschafft mir einen klaren Kopf, fokussiertes Denken und eine positive Grundstimmung. Natürlich passiert es auch hin und wieder, dass nicht alles nach Plan läuft (z.B. kein Kaffee / kein Tee im Haus = Big Drama!).

Morgenroutinen sind so individuell wie wir, Tatsache ist – wer einmal dieses Ritual initiiert hat, will nicht mehr ohne! Diese Tipps möchte ich euch noch an Herz legen:

1) MUT // Habe den Mut, verschiedene Dinge auszuprobieren und so die Morgenroutine zu gestalten, die individuell auf dich zugeschnitten ist. Wenn du nach einiger Zeit feststellst, dass manche Abläufe noch nicht perfekt sind, kannst du nach und nach die Feinheiten optimieren, bis das für dich beste Ergebnis gefunden ist.

2) WARUM // Um deine persönliche Morgenroutine zu finden, solltest du auch wissen, was du damit eigentlich erreichen willst – denn das Ziel definiert in hohem Maße, welche Gestalt deine Gewohnheit annehmen wird. Brauchst du mehr Struktur? Benötigst du Entschleunigung, um dem Stress zu entgehen? Oder geht es dir um mehr Zeit dich, in der du einfach in dich hineinspüren kannst?

3) KEINE AUSREDEN // Wenn du deine Routine gefunden hast, dann behalte sie für eine Weile bei. Mache keine Ausnahmen. 99% Entscheidungen werden schnell zu 98%, 90%, 50% und schwupps , dahin sind die guten Vorsätze. DESWEGEN etwas zu 100% beizubehalten ist viel einfacher als zu 99%, weil der Geist nicht mit dem einen Prozent zu kämpfen hat. Natürlich darf die Routine am Wochenend angepasst werden.

4) NICHT ÜBERTREIBEN // Auch wenn du voller Tatendrang steckst, versuche nicht gleich eine Morgenroutine mit 10 Punkten einzuführen, sondern fange klein an und füge anschließend langsam weitere Gewohnheiten hinzu, die sich für dich richtig anfühlen

Was sagt die Wissenschaft?
Das Phänomen der Morgenroutine und die damit verbundenen positiven Effekte sind inzwischen auch in der Wissenschaft angelangt: „Normalerweise haben wir ein Zeitfenster von ungefähr drei Stunden, in denen wir wirklich fokussiert sind“, sagt Sozialpsychologe Ron Friedman zur Harvard Business Review. „Wir sind zu dieser Zeit in der Lage zu planen, scharf nachzudenken, gut zu reden.“

Kurz und gut: Eine Morgenroutine in fünf Schritten

1 ) Früh aufstehen, möglicherweise schon um 5 oder 6 Uhr
2 ) Kurz meditieren und Gedanken aufschreiben
3 ) Ablenkungen aussperren: E-Mails, Meetings
4 ) 100 Prozentiger Fokus auf die wichtigsten Tages-Aufgaben
5) Drei Stunden Power-Arbeitssprint einlegen

Danach kannst du Mails checken, telefonieren, frühstücken, dich wieder aufs Ohr legen und zur Arbeit fahren. Auf diese Weise kann das Wesentliche in deiner Power-Frühschicht erledigt werden. Es ist sogar wahrscheinlich, dass du in diesen insgesamt 15 Wochenstunden mehr abarbeiten kannst, als normalerweise in, sagen wir, 30 oder 35 Stunden!!! Weitere Beispiele:

Philip Siefer, Co-Gründer und Geschäftsführer von Einhorn Kondome
„Zuerst trinke ich dann einen halben Liter lauwarmes Wasser aus der Leitung.“

Schlafen ist super, aber wach sein ist einfach am allerbesten! Um so wach und so gut drauf wie möglich zu sein, habe ich mir eine besondere Morgenroutine angewöhnt: Zuerst trinke ich einen halben Liter lauwarmes Wasser aus der Leitung. Dauert 10 Sekunden und der Körper feiert es hart! Dann putze ich mir die Zähne und mache Yoga – so 15 bis 25 Minuten, je nach Lust, manchmal lasse ich auch ausfallen. Danach bin ich so saumäßig wach und gut drauf, schon richtig was geschafft! Danach schreibe ich mega kurz Tagebuch. So ähnlich wie Bridget Jones anscheinend: Datum, Yoga – ja oder nein? Alkohol gestern? Zigaretten? Ein bis drei Sachen, die ich super finde und 3-X Sätze, wie gestern so war.

Sven Wiesner, Mitgründer und Ex-CEO von Havas beebop, Freier Digital-Stratege
„Zuerst die E-Mails, wirklich wichtige Anfragen beantworte ich sofort mit wenigen Sätzen.“

Früher lag das Smartphone direkt neben dem Bett, heute hat es Schlafzimmmerverbot! Ich starte jetzt viel besonnener in den Tag. Was will ich heute schaffen, was liegt Wichtiges an? In meinem Kopf läuft eine erste kleine, ganz persönliche Tschakka-Routine ab. Wenn es die Zeit zulässt, laufe ich eine Parkrunde. Es gibt nichts besseres, um die Dinge im Kopf zu sortieren. Ohne Frühstück und einen guten Kaffee geht nichts, dabei gönne ich den müden Knochen nur die besten Sachen: gutes Vollkornbrot, Avocado und sogar die sieben Minuten für ein Frühstücksei passen rein – was für eine Gönnung! Erst danach verschaffe ich mir einen Überblick über das Wichtigste: Zuerst die E-Mails, wirklich wichtige Anfragen beantworte ich sofort mit wenigen Sätzen. E-Mails checke ich übrigens nur drei bis fünf Mal am Tag, ebenso Social Media und Messenger. So bin ich produktiver. Hat zwar mit der Morgenroutine nicht viel zu tun, aber ich will es trotzdem mal hervorheben. Hierbei gilt für mich: Nicht alles was ich mache wird bezahlt, aber alles soll sich auszahlen.

Die ersten drei Stunden nach dem Aufstehen sind die Zeit, in der wir durch den Schlaf einen wertvollen Energieschub bekommen und wir entscheiden wohin wir diese lenken. Möchte ich mir zum Beispiel ein freies Leben gestalten, kann ich hier jeden Tag bereits die Weichen stellen, bevor ich mich meinen üblichen Pflichten widme. Über kurz oder lang ist mein Ziel, diese Freiheit zu 100 Prozent zu leben.