Jenseits des globalen Burnouts

Unsere Welt ist kompliziert und wir sind herrlich unperfekt. Nichts funktioniert wirklich und Systeme werden regelmäßig gestürzt. Ich beobachte das auch schon länger in der Yogaszene, wo Spiritualität als weiterer Punkt auf  die To-Do Liste gepackt wird und sich nicht wirklich als eine grundsätzliche Lebenseinstellung wieder finden lässt. Natürlich ist jede Form von Achtsamkeitsübungen wirksam und gut, aber wie tief darf das gehen? Wie sehr erlauben WIR uns DAS wirklich zu leben, zu sein? Sind wir wirklich bereit auch unbequeme Konsequenzen auf unseren Alltag dafür in Kauf zu Nehmen? Was wir essen, wie wir leben und warum wir gewisse Dinge tun? Stattdessen nehmen wir es als feel-good Häppchen gern mit und verlassen uns meist mehr auf die vermeintliche Sicherheit des Sozialstaates. Wir sind es so gewohnt und irgendwie geht‘s ja schon. Aber da ist mehr! Es gibt ein Universum in dem wir uns nicht „zufrieden“ geben müssen, in dem wir nicht hundert Konpromisse eingehen müssen. Und dieses Universum sind wir. Das ist meine vollste Überzeugung. Aber es ist unbequem. Wie schaffen wir es nun das eigene Urvertrauen wieder zu finden und damit unserem Leben eine neue Tiefe und Lebendigkeit zu geben? Eine Lebendigkeit aus der Kreativität als eine fast automatische Reaktion folgt. 

Wir haben die Wahl

Wir haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten auf Herausforderungen zu reagieren. Entweder wir wachsen oder wir zerbrechen daran. Die Entscheidung ist unsere. Wenn wir daran wachsen wollen müssen wir unser Gehirn darauf trainieren auf sich selbst anzupassen.

Das Zauberwort hier heißt Selbstregulation. Sie ist so eine Art Super-Skill

Schon Kinder können lernen, sich selbst zu regulieren. Zum Beispiel indem die Eltern ihre Gefühlszustände wahrnehmen und benennen und sie auch dazu ermuntern, über ihre eigenen Bedürfnisse, Gefühle und Gedanken zu sprechen – aber auch über die von anderen Menschen. Man nennt das in der Psychologie „Mental Talk“. Dieser innere Dialog hilft, sich über sich selbst bewusster zu werden und sich dadurch regulieren zu lernen. Eine gute, gesunde Selbstregulation bedeutet, die Balance zu finden zwischen dem Spüren und dem Ausdruck meiner Bedürfnisse und Gefühle und der Fähigkeit zur Selbstkontrolle. Die zentrale Aufgabe der Selbstregulation ist die Regulation von Emotionen. Emotionen werden reguliert und wirken regulierend. Eine gute Selbstregulierung bedeutet mit der ganzen Palette an menschlichen Emotionen umgehen zu können. Und zwar ohne von ihnen überwältigt zu werden. Die Praxis der Selbstregulation in all Ihren Facetten zu erklären, wäre an dieser Stelle zu viel. Allerdings kann hier vereinfacht gesagt werden, dass jedesmal wenn eine Emotion an die Oberfläche tritt, kannst kurz innhalten und dieser Raum geben. Nimm sie neutrale wahr, beobachte sie von außen, fühle sie und dann lass sie auch wieder gehen. Stopp. Schau hin. Fühle. Lass los. Und der letzte Punkt ist eindeutig der Schwierigste, aber mit etwas Übung wird es immer leichter. Der menschliche Geist ist das anpassungsfähigste Werkzeug, das es gibt. Wir müssen nur lernen unseren geistigen Muskel richtig zu trainieren.

Wir – Team

Stell dir eine Welt vor, in der unser Gehirne miteinander verknüpft und die Grenzen der Technolgie aufgelöst sind. In der unsere positiven Emotionen, sowie unsere kreativen Strategien global genutzt werden um existentielle Bedrohungen unserer Zeit anzugehen. Die menschliche Konnektivität reguliert den aufgeladenen Wettbewerb, der von Korruption in einem politischen Nullsummenspiel lebt. Die Finanzsysteme sind transparent und die wirtschaftlichen Unterschiede verringern sich, was finanzielle Sicherheit in allen sozioökonomischen Schichten zur Folge hat. Dies ist keine utopische Fantasie. Es könnte schon bald Realität werden. Der Schlüssel zur Erschließung des menschlichen Entwicklungspotenzials liegt in der globalen Ausweitung von Achtsamkeitspraktiken. 

Wenn Milliarden menschlicher Gehirne in der Lage sind eine stärkere emotionale Selbstregulierung zu praktizieren und ihr angeborenes Mitgefühl stärken, kann ein globales „Wir-Team“ entstehen. Die Entwicklung unseres globalen Dorfes zu einer achtsamen Gemeinschaft ist nicht nur eine Möglichkeit, sondern eine eine Notwendigkeit um ein dynamisches Gleichgewicht für unsere Biosphäre herzustellen. Es ist jetzt an der Zeit diese Praktiken in den Alltag aller zu integrieren und damit die Gesellschaft von jedem einzelnen von uns in einer positivere Zukunft zu lenken. Oder wir besiedeln andere Planeten, aber laut dem was ich gelesen habe, ist es da weder so schön, noch liegen diese Planeten um die Ecke. Mit etwa 31 Lichtjahren Entfernung würden wir den Planeten GJ 357 erreichen. Das sind mit der momentanen Technik der „Voyager“-Sonden in etwa einige Hundert Jahre Reisezeit. Also zurück zum Planeten Erde. Mittlerweile wird an einigen Schulen bereits Meditation unterrichtet. Ein Klatschen dafür!

Adé Gier-Mentalität

Dies ist ein wesentlicher Schritt um in der Erziehung unserer Kinder Achtsamkeit und emotionale Intelligenz zu pflanzen. Es wird zwar noch einige Generationen dauern, bis diese Kinder dann in den entsprechenden Machtpositionen sitzen. Aber ein Anfang ist gemacht. Wie wäre eine Regierung, die „Wachstum“ als eine menschliche Eigenschaft und nicht als finanzielle Gier definiert? Nachhaltigkeit und nicht finanzieller Gewinn, muss zur Essenz erfolgreicher Unternehmen werden. Die Weiterentwicklung unserer Welt über den globalen Burnout hinaus ist eine mögliche Realität. Es beginnt immer mit einigen wenigen, die diesen Weg gehen und sich dann exponentiell entfalten. Analog zum Corona-Virus. Allerdings erhoffe ich mir, dass dieser positive „Virus“ nicht eingesperrt wird. Wenn Achtsamkeit ein globales Phänomen wird, können wir in eine neue Epoche der menschlichen Geschichte eintreten.

Das neue Jetzt

Und dann bewegen wir uns auf ein neues Zeitalter hinzu. Ein Zeitalter geprägt von Neuerfindungen. Wir sind alle Macher, Schöpfer, Erbauer und wir wissen, dass es an uns liegt, ob in 20, 30 Jahren diese Erde noch ein Ort zum Kinder kriegen ist.

Der Prozess der Neugestaltung und Neuerfindung unseres Lebens treibt uns in ein neues Jetzt. Mit Blick auf die Zukunft und die Vergangenheit fragen wir uns, worauf es wirklich ankommt. Es bleibt kaum noch Zeit und jetzt am Leben zu sein ist komplett anders als in früheren Jahrhunderten. Wo wir im Kollektiv weniger verbunden auf physischer und psychischer Ebene waren. Das Ökosystem unseres Planeten schreit und ruft nach uns und gleichzeitig verwandelt und mutiert die Technologie uns alle. Neue DNA-Stränge tief in jedem von uns werden aktiviert. Menschliche Interaktion stegt nun im Vordergrund.

Konnektivität und ein Gemeinschaftsgeist mögen virtuell beginnen um in der realen Welt gemeinsam Projekte zu stemmen und das Rad umzudrehen. Das Zeitalter der Neuerfindung hat begonnen, und was wir mit diesem erweiterten Sinn für Konnektivität und Kreativität tun, liegt bei jedem von uns.